Ode an die Faulheit – Sonderfolge

Shownotes

Dein Support für den Alltag: Professionelle Audio-Sessions zur Selbstregulation bei Kopfkino (Schlaf), Nasch-Impulsen (Süßigkeiten), Prokrastination, Liebeskummer (Abstand halten). Hier geht es zu den Studio-Aufnahmen: http://www.praxis-kaulbarsch.de/nachtfrequenzen/

Manchmal ist es keine Faulheit. Eher stiller Widerstand gegen Tempo, gegen Listen, gegen dieses "ich muss noch schnell". In dieser Folge geht e um Pausen, die man sich nicht erklärt – und um das Recht, kurz nichts zu müssen. Wenn dir diese Folge neue Impulse gibt, klicke oben auf das "+" oder "Folgen". So verpasst du keine der Geschichten. Meine Audio-Editionen Nachtfrequenzen findest du unter: http://www.praxis-Kaulbarsch.de/nachtfrequenzen/ Ich höre dich (Podcast) https://www.praxis-kaulbarsch.de/podcast/ Wenn du "Ich höre dich" unterstützen willst: Steady https://steady.page/ich-hoere-dich-mit-gloria-esther-kaulbarsch Kontakt: podcast@praxis-kaulbarsch.de Instagram: @gloria.esther.kaulbarsch Gloria Esther Kaulbarsch https://www.praxis-kaulbarsch.de Impressum: https://www.praxis-kaulbarsch.de/impressum Greve-Studio Berlin https://www.greve-studio.de

Transkript anzeigen

00:00:01: Neulich habe ich in einer Notenmappe ein altes Lied gefunden.

00:00:08: Der Text stammt von Lessing, die Musik von Haydn.

00:00:14: Oben drüber steht Lob der Faulheit.

00:00:21: Gleich in der ersten Zeile heißt es Faulheid.

00:00:27: Endlich muss sich dir auch ein kleines Loblied singen!

00:00:35: Ich musste lachen.

00:00:37: Da sitzt jemand, nimmt sich fest vor die Faulheit zu loben und schon beim Lesen spürst du zwischen den Zeilen.

00:00:50: Allein der Versuch dieses Loblied ordentlich zu schreiben ist bereits Arbeit!

00:01:00: Später im Text wird gegänt Die Wolfe werden langsamer und am Ende gibt der Schreiber fast ein bisschen beschämt zu.

00:01:13: Die Faulheit ist der Grund, warum dieses Lob am Ende eher einsgitzenblatt bleibt.

00:01:21: Sie bremst ihn mitten drin aus!

00:01:27: Und irgendwo zwischen diesen Zeilen habe ich gedacht?

00:01:33: Genau das ist doch der

00:01:36: Punkt!".

00:01:39: Wir haben so viele Worte für Leistung, Tempo, Effizienz.

00:01:47: Für Faulheit bleibt oft nur Stirnrunzeln.

00:01:55: Für diesen inneren Konflikt und für die leise Sehnsucht dahinter ist diese Folge!

00:02:25: Mit Gloria Esther Kaulbarsch.

00:02:29: Du musst nichts tun, nur hören und vielleicht ein wenig fühlen.

00:02:38: Hier darfst du ankommen!

00:02:44: Ich höre dich der Podcast, der dich zurück zu dir führt.

00:02:51: Willkommen bei ich höre Dich mit Gloria Esther.

00:02:57: Ich freue mich so sehr, dass du da bist.

00:03:05: Kennst du dieses Schauspiel in dir?

00:03:08: Du hast offiziell frei!

00:03:11: Der Tag ist nicht voll gestopft.

00:03:14: es lauert kein dringender Termin, kein Meeting, kein Besuch.

00:03:21: Es wäre einer dieser seltenen Nachmittage an den du dich aufs Bett legen könntest mit dem Blick an die Decke oder in einen Sessel mit einer Tasse in der Hand und einem Gedanken, der nirgends hin muss.

00:03:43: Und kaum setzt du dich hin meldet sich eine Stimme in dir?

00:03:50: Naja wenn du jetzt Zeit hast dann kannst du doch eigentlich endlich den Papierstabelsortieren die Mehls aufräumen!

00:04:00: Sportlich

00:04:01: sein!".

00:04:02: wenigstens etwas Sinnvolles hören.

00:04:07: Aus einem freien Nachmittag wird in wenigen Sekunden eine offene Projektliste.

00:04:17: Faulheit im Sinne von wirklich nichts tun hat da kaum eine Chance!

00:04:27: Sie ist so lange schlecht geredet worden, dass sie sich nur noch verkleidet und unser Leben traut.

00:04:36: als Power-Nap als Qualit-Time, als bewusste Auszeit.

00:04:45: Alles bekommt sofort einen Zweck – damit niemand auf die Idee kommt Du würdest einfach nur da sein!

00:05:04: Wenn ich in dieses alte Lessing-Lied hineinhöre Kommt mir ein anderes Bild.

00:05:13: Da ist jemand der merkt sehr genau wie wohltuend es wäre sich hinzulegen und nichts zu tun.

00:05:23: Und statt sich hinzulegen, schreibt er erst einmal ein Loblied darüber!

00:05:29: Er macht einen Projekt daraus – und irgendwann mitten im Schreiben holt ihn genau das ein, was er besingen wollte — Müdigkeit, Lust auf gar nichts, dieser weiche Wunsch den Stift fallen zu

00:05:50: lassen.".

00:05:53: Ein Teil von mir möchte ihm zurufen, du darfst!

00:05:58: Du musst dieses Loblied nicht zu Ende komponieren.

00:06:02: Es ist in Ordnung wenn der schönste Satz in deinem Tag nicht auf dem Papier steht sondern im Liegen gedacht wird.

00:06:16: Dein Leben war bisher nicht besonders freundlich Zur Faulheit.

00:06:23: Da war vielleicht früh schon so.

00:06:25: Der Satz sitzt nicht rum, wer rastet der rostet.

00:06:32: erst die Arbeit dann das Vergnügen.

00:06:38: und selbst wenn du heute niemanden mehr etwas beweisen musst kann es sein dass diese Sätze noch ein Echo in dir haben.

00:06:51: Dann wirkt es so als müsstest du auch deine Ruhe erst verdienen!

00:06:58: Du gönnst dir eine Pause aber erst wenn vorher genug erledigt wurde.

00:07:05: Du legst dich hin, aber nach acht abgehagten Punkten.

00:07:13: du schaust aus dem Fenster?

00:07:15: Aber mit einem Blick auf die Uhr damit du dich dabei nicht verlierst.

00:07:24: Faulheit im alten Sinn des Wortes ist der Moment in dem das einmal keine Rolle spielt!

00:07:34: Zeit, die nichts beweisen muss.

00:07:38: Zeit ohne Erklärung!

00:07:42: Zeit ohne inneren Leistungsnachweis!

00:07:49: Stell dir einen Moment aus deinem Alltag vor an dem Faulheit schon länger an die Tür klopft.

00:07:59: Du sitzt abends auf dem Sofa Die Füße auf dem Kautstisch Ein Kissen im Rücken Neben dir liegt ein Buch, das du schon hundertmal nur bis Seite zwanzig gelesen hast.

00:08:16: Dein Handy liegt neben dir stumm aber sehr präsent!

00:08:24: Du könntest jetzt das Buch aufschlagen zwei Seiten lesen und dann verträumt ins Leere schauen.

00:08:33: Stattdessen zuck deine Hand automatisch zum Bildschirm Einmal kurz Mehl schicken, einmal in einen Nachrichtenstrom fallen.

00:08:46: Einmal schauen was die anderen so machen.

00:08:52: Aus Nichtstun wird in ein paar Minuten wieder Input.

00:09:00: Wenn du das kennst dann weißt du wie radikal es wäre dem Handy einmal den Rücken zuzukehren es in ein anderes Zimmer zu legen und dich hinzusetzen ohne Ersatzprogramm.

00:09:18: Leg es doch vielleicht mal weg, ohne daraus einen Selbstprojekt zu machen und erlebe wie es ist wenn wirklich nichts los ist außer dir!

00:09:38: Ich glaube... Faulheit hat eine schlechte Presse, weil sie etwas zeigt, dass wir nicht gern ansehen.

00:09:48: Wie müde wir oft wirklich sind!

00:09:52: Eine Müdigkeit die tiefer sitzt, die sich meldet sobald du nichts übertöhnst Wenn du dich auf dein Bett legst ohne Hintergrundgeräusch und plötzlich merkst Da ist nicht nur Erschöpfung Da ist auch ein Bedürfnis nach gar nichts müssen.

00:10:19: In dem alten Loblied gähnt der Schreiber irgendwann ganz offen, er versteckt es nicht!

00:10:30: Wir bräuchten heute auch mehr ehrliche Gähnmomente als Zeichen dafür, dass der Körper genau weiß wann Schluss sein sollte.

00:10:47: Dieser Folge ist kein Charakterfehler.

00:10:51: Sie ist der Teil in dir, der sich weigert noch das letzte bisschen Energie in Leistung zu verwandeln.

00:11:02: Stell dir ein kleines inneres Bild vor!

00:11:08: Es gibt in deinem Alltag eine unscheinbare Ecke auf der nutzlos steht Ein Stuhl am Fenster, auf dem selten jemand sitzt.

00:11:23: Eine Bank vor dem Haus, auf der du meist nur kurz die Tasche abstellst.

00:11:29: Eine Ecke im Schlafzimmer, Auf der ein unbezogenes Kissen liegt.

00:11:37: Dieser Ort trägt keine Aufgabe – er ist für dich!

00:11:44: Dort wird geruht, dort wird geschaut, dort Er ist dein Platz für unkommentiertes Dasein.

00:12:01: Wenn du dich dorthin setzt, brauchst du niemanden erklären, warum du da bist!

00:12:07: Du musst keinem Algorithmus gefallen – du musst dir selbst nichts beweisen.

00:12:15: Du könntest dort fünf Minuten lang nur auf einen Fleck an der Wand schauen oder die Staubkörner im Licht beobachten oder deinem eigenem Atem zu hören.

00:12:30: Es passiert nichts, und genau darin liegt die

00:12:39: Kraft.".

00:12:43: »Es kann sein, dass du jetzt denkst – ja!

00:12:46: Aber dann bekomme ich gar nichts mehr auf die Reihe.

00:12:51: Das ist eine verständliche Sorge.

00:12:53: Wir sind oft so daran gewöhnt unseren Wert an das zu knüpfen was wir schaffen, im Nichtstun stecken zu bleiben.

00:13:07: Die Erfahrung sieht meist anders aus, wenn du dir ab und zu einen wirklich faulen Moment gönnst, kommst du danach oft klarer zurück – da war keine Arbeit an dir!

00:13:27: Da war dieses Aufhören dich für eine Weile zu

00:13:31: überholen.".

00:13:34: ohne inneren Kommentar, ohne Vergleich mit einem stillen Beweis.

00:13:42: Du darfst existieren – auch wenn gerade nichts von dir gefordert wird!

00:13:53: Am Ende des Lob.

00:13:56: der Faulheit steht kein Schlusskorb.

00:14:01: Es endet eher mit einem halblächelnden Eingeständnis Die Faulheit hat gewonnen.

00:14:11: Das Loblied wurde nicht herorisch zu Ende geführt, die Worte haben unterwegs schlapp gemacht!

00:14:20: Ich mag das weil es so menschlich ist und es müssen auch nicht alle Tage deines Lebensglänzen zu Ende komponiert werden.

00:14:32: Es ist genug wenn du zwischendurch merkst.

00:14:36: heute war ich da Unaufgeregt, ungeplant mit mir.

00:14:52: Wenn du möchtest kannst du nach dieser Folge eine kleine Probe machen.

00:15:00: Such dir in den nächsten Tagen irgendeinen Moment, indem du theoretisch noch schnell etwas erledigen könntest – ein Viertelstündchen am frühen Abend Die Zeit zwischen zwei Terminen, die Lücke bevor du ins Bett gehst.

00:15:21: Und dann entscheide dich bewusst faul!

00:15:27: Setz dich hin, lehn dich an, lass den Blick schweifen und wenn dein Kopf anfängt dir Vorschläge zu machen, dann darf er das.

00:15:39: Du musst nur nicht

00:15:41: loslaufen.".

00:15:45: Erinner dich dabei an die ersten Zeilen von Lessing.

00:15:52: Faulheit, endlich muss ich dir auch ein kleines Loblied singen!

00:16:01: Du singst nichts, du summst innerlich nur ein bisschen oder vielleicht gähnst du einfach?

00:16:10: Und du stellst fest das genau in dieser scheinbar nutzlosen Viertelstunde etwas ganz leise zur Ruhe kommt.

00:16:25: Wenn du dann später weiter machst mit deinem Tag, deiner Arbeit, deinem Leben nimm ein kleines bisschen von diesem Loblied mit!

00:16:38: Es erinnert dich daran dass Du mehr bist als das was Du schaffst.

00:16:46: Wenn dir beim Hören jemand eingefallen ist, der sich beim Ausruhen sofort eher ein schlechtes Gewissen macht, dann schick ihm doch gerne diese Folge.

00:16:58: Und wenn du magst, abonniere.

00:17:01: ich höre dich damit du neue Folgen sofort findest!

00:17:06: Denn... Ich höre Dich.

00:17:15: Bis dahin bleib bei dir deine Gloria.

00:17:22: Dieser Podcast wird produziert im Gräwestudio Berlin.

00:17:29: Aufnahmeleitung Volker Gräwe Assistenz Lea Kretschmar und Taha Issa.

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