Der Zettel im Buch

Shownotes

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Manchmal genügt ein einziger Satz, um einen ganzen Raum voller Erinnerungen zu öffnen. In dieser Folge erzähle ich von einem vergilbten Zettel, der mir zufällig aus einem Buch entgegenfällt – und mich direkt zurück an den Küchentisch meiner Kindheit führt. Ich nehme dich mit in die Wärme kleiner Alltagsmomente, in denen Nähe und Fürsorge zwischen den Zeilen leuchten. Während ich den Satz immer wieder lese, spüre ich, wie aus einem einfachen Hinweis ein ganzes Gefühl entsteht. Lass uns gemeinsam entdecken, wie das Alltägliche manchmal das Wertvollste wird und warum ein unauffälliger Zettel plötzlich alles bedeuten kann. Wenn dir diese Folge neue Impulse gibt, klicke oben auf das "+" oder "Folgen". So verpasst du keine der Geschichten. Ich höre dich (Podcast) https://www.praxis-kaulbarsch.de/podcast/ Meine Audio-Editionen - Nachtfrequenzen - findest du hier: https://www.praxis-kaulbarsch.de/nachtfrequenzen/ Wenn du "Ich höre dich" unterstützen willst: Steady https://steady.page/ich-hoere-dich-mit-gloria-esther-kaulbarsch Kontakt: podcast@praxis-kaulbarsch.de Instagram: @gloria.esther.kaulbarsch Gloria Esther Kaulbarsch https://www.praxis-kaulbarsch.de Impressum: https://www.praxis-kaulbarsch.de/impressum Greve-Studio Berlin https://www.greve-studio.de

Transkript anzeigen

00:00:00: Der Zettel rutscht aus dem Buch, als hätte er dort nicht länger still liegen wollen.

00:00:07: Ein dünnes vergilbtes Stück Papier.

00:00:12: Einmal gefaltet die Kante weich.

00:00:16: Ich heb ihn auf noch bevor ich richtig hingeschaut habe.

00:00:22: Papier von früher!

00:00:25: Nicht glatt, nicht frisch... Eher so ein Zettel, der aus einer Küchenschublade kommt.

00:00:35: Die Schrift treffe ich sofort!

00:00:39: Nicht schön – nicht geschniegelt – vertraut.

00:00:46: Einsatz In der Garage ist noch Licht.

00:00:54: Ich lese ihn noch einmal.

00:01:01: Ich halte den Zettel gegen das Licht, als würde ich ihn lesen müssen wie etwas Fragiles.

00:01:10: Das Papier ist an den Rändern dunkel – als hätte es dort länger gelegen als in der Mitte!

00:01:19: Die Falzlinie ist sauber.

00:01:21: eine einzige Bewegung damals schnell gemacht und in der Falze sitzt ein winziger Broch So klein, dass man ihn nur sieht Wenn man den Zettel kippt.

00:01:40: Die Schrift steht fest auf dem Papier.

00:01:45: Kein Schwung der gefallen will.

00:01:48: Eher Buchstaben die ihren Job machen.

00:01:53: Ich fahre mit dem Daumen über die Zeile Nicht streichelnd mehr so als würde ich prüfen Stimmt das?

00:02:06: Ist das wirklich da?

00:02:10: In der Garage ist noch Licht.

00:02:16: Ich merke, dass ich den Satz anders lese als man einen Satz liest.

00:02:23: Ich lese ihn nicht um ihn zu verstehen – ich lese ihm weil er eine Stimme trägt!

00:02:36: Und dann kommt dieses kurze sehr klare Wiedererkennen.

00:02:45: So hat sie geschrieben, so hat sie Dinge geregelt.

00:02:53: So hat Sie gedacht an später – an den nächsten Schritt!

00:03:00: An dem Moment in dem jemand sonst nochmal hochläuft und ich drehe den Zettel um auf der Rückseite nichts, kein Datum, keine Unterschrift nur Papier.

00:03:19: Gerade das macht es noch echter, weil es zeigt wie wenig ein Abend wissen muss um ein Abend zu sein.

00:03:32: Ich lege den Zettel kurz auf die Seite des Buches, dass noch offen vor mir liegt.

00:03:39: Die Seite darunter ist weiß und plötzlich sieht man, wie gelb der Zettl geworden ist Zeit in Farbe.

00:03:52: Und während ich da sitze und schaue, merke ich – Ich bin schon woanders.

00:04:02: Nicht weg nur in einer anderen Schicht!

00:04:07: Der Satz hat einen kleinen Haken in mir gesetzt.

00:04:13: Einen Haken an dem gleich ein ganzer Raum hängt.

00:04:20: Ich höre in dem Moment auch die Geräusche, die sonst untergehen Das leise Summen irgendwo, ein Heizkörper der arbeitet.

00:04:32: Ein kleines Knacken im Holz!

00:04:36: Als wäre der Raum selbst kurz aufmerksam geworden.

00:04:43: Ich nehme das Buch wieder in die Hand, klappe es halb zu, klappe es wieder auf.

00:04:49: Ein Teil von mir möchte sofort wissen wie der Zettel hier gelandet

00:04:55: ist.".

00:04:58: Ein anderer Teil lässt es.

00:05:02: Der Satz steht da, das reicht.

00:05:07: Und dann passiert etwas einfaches!

00:05:12: Ich sitze aufrechter ich schaue nicht mehr so gehetzt auf die Dinge um mich herum als hätte dieser eine Satz mich kurz aus dem Tempo gezogen ohne dass er es wollte.

00:05:28: in der Garage ist noch Licht.

00:05:34: Ich spreche ihn leise mit nur einmal und das genügt, damit die Küche wieder anfängt hinter der Stirn zu leuchten.

00:05:46: Und der Raum kippt!

00:06:19: und vielleicht ein wenig fühlen.

00:06:23: Hier darfst du ankommen!

00:06:29: Ich höre dich, der Podcast, der dich zurück zu dir führt.

00:06:37: Willkommen bei.

00:06:38: ich höre Dich mit Gloria Esther Kaulbarsch.

00:06:43: Ich freue mich dass Du da bist.

00:06:51: dieser Satz war nie als Erinnerung gedacht.

00:06:58: Er sollte nur dafür sorgen, dass später jemand runtergeht und den Schalter drückt.

00:07:05: Mehr nicht!

00:07:07: Und genau das macht ihn so stark.

00:07:12: Ich halte den Zettel zwischen zwei Fingern – er ist so leicht, daß er sich fast anfühlt wie Luft.

00:07:23: Und dann fällt mir ein — der wurde vor forty-einen Jahren geschrieben ... Ein Zettel, der älter ist als viele Dinge die heute wichtig wirken.

00:07:39: Und trotzdem liegt er jetzt hier in meiner Hand!

00:07:47: Ich schaue auf die Handschrift und die Küche isst wieder da.

00:07:52: Ein Tisch, Scrabble – diese kleinen Holzplättchen, die man über die Finger laufen lässt während man nachdenkt.

00:08:03: Ein Wort liegt schon ein zweites wird angelegt und jemand am Tisch hebt die Augenbraue, weil das so nicht zählt.

00:08:13: Das ist doch kein Wort!

00:08:16: Natürlich ist das ein Wort!

00:08:18: Und dann dieses kurze Lachen, dass den ganzen Abend weich macht.

00:08:25: Skrabbel hat so etwas Eigenes?

00:08:30: Man tut ernst, man diskutiert Regeln, man verteidigt völlig absurde Wörter Und im Kern geht es darum, zusammen am Tisch zu sitzen.

00:08:46: Es war so ein Abend.

00:08:50: Einfach gut!

00:08:53: Draußen wird es dunkel und ich merke es an der Fensterscheibe – sie spiegelt plötzlich den Raum zurück.

00:09:01: Die Lampe, die Tischkante, die Hände… die Buchstaben... Haben wir es gesehen?

00:09:12: unten in der Garage, brannte noch Licht.

00:09:18: Dieses Licht hat etwas Beharliches!

00:09:20: Es stört nicht, es bleibt einfach an.

00:09:27: Jemand sagt es in den Raum halb beiläufig.

00:09:32: Da unten ist noch Licht und meine Mutter macht das was sie gemacht hat.

00:09:39: Sie nimmt einen Zettel, nimmt einen Stift Schreibt den Satz auf.

00:09:46: Einmal falten, hinlegen – fertig!

00:09:49: Kein Kommentar dazu.

00:09:52: Nur diese Selbstverständlichkeit.

00:09:55: Wir lassen Dinge nicht offen wir denken mit und kümmern uns.

00:10:01: Ich sehe ihre Hand vor mir ich seh wie der Stift über das Papier geht Ich höre dieses leise Kratzen Und ich merke beim Lesen Das ist Ihre Handschrift.

00:10:18: Damit ist sie auf einmal da, als Person im Raum – Als diese Art im Alltag zu sein so praktisch wach, zugewandt ohne Tamtam!

00:10:36: Ich lese den Satz noch einmal In der Garage ist noch Licht und ich weiß wieder wie wir da gesessen haben Wie jemand sich über ein Wort gefreut hat, als hätte er es gerade erfunden.

00:11:03: Wie jemand geschummelt hat und es viel zu offensichtlich war!

00:11:10: Wie wir darüber gestritten haben ob man das jetzt wohl gelten lässt Und es am Ende gelten ließ weil es schöner war.

00:11:21: Ich weiß wieder wie es gerochen hat in der Küche, wie warm das Licht war wie die Nacht draußen stand und nicht gestört hat.

00:11:34: Ich spüre sogar den Moment, der danach kommt!

00:11:39: Das Spiel ist vorbei, jemand steht auf der Stuhl rückt, unten klackt der Schalter – und dann ist es dunkel in der Garage… Und oben geht ein Abend zu Ende, ohne dass jemand das benennen muss.

00:12:01: Heute sitze ich mit diesem Zettel da, mit einem Satz der vor einundvierzig Jahren geschrieben wurde.

00:12:12: Und ich merke wie still es in mir wird!

00:12:18: Er klar – Ich halte den Zettl noch einen Moment länger als nötig wäre.

00:12:26: Ich könnte ihn zurück ins Buch stecken… Ich könnte ihm weglegen … Ich tue beides nicht

00:12:34: sofort.".

00:12:36: Ich schaue auf die Schrift und merke, da war jemand der an später gedacht hat.

00:12:43: An den Gang runter!

00:12:46: An den Schalter!

00:12:47: An dem Moment nach dem Spiel!

00:12:52: Da ist Nähe in so einer Geste ein Satz, der Arbeit abnimmt.

00:13:00: Und es ist genauso erstaunlich wie lebendig ein Abendwirt wenn er an so einem Satz

00:13:06: hängt.".

00:13:17: Der Zettel macht das allein.

00:13:20: Er bringt nicht nur den Satz zurück, er bringt den Ton zurück – dieses Gefühl am Tisch sitzen.

00:13:30: Eine Weile bleiben einfach da.

00:13:38: eine Mutter die viel zu jung gestorben ist und manchmal ist genau das Bittere daran dass man nicht noch zwanzig solche Abende bekommt Nicht noch hundert!

00:13:55: Und dann fällt ihr Jahre später ein Zettel aus dem Buch.

00:14:00: Tja, und ich habe plötzlich einen davon wieder in der Hand.

00:14:07: Nur einen Atemzug lang.

00:14:11: Aber das reicht um zu merken – da war etwas warm, da war was gut.

00:14:20: Da war jemand, der mich kannte.

00:14:26: Ich merke….

00:14:27: Mein Körper weiß das sofort.

00:14:30: Der Kiefer lässt los, die Schultern sinken ein Stück Die Luft kommt tiefer Und ich stecke den Zettel nicht in eine Erinnerungskiste.

00:14:42: Ich streiche noch einmal zart über dieses Stückchenpapier und dann gebe ich ihm einen Platz der stimmt Zurück ins Buch Zwischen zwei Seiten damit er da bleiben kann.

00:15:04: Ich schaue noch einmal drauf, denn der Garage ist noch licht und ich muss lächeln.

00:15:10: ganz kurz weil dieser Satz so nüchtern ist – so sehr Alltag!

00:15:18: Und ausgerechnet das trägt einen ganzen

00:15:21: Menschen.".

00:15:22: Ich falte den Zettel wieder zusammen ganz vorsichtig als wäre er dünner geworden in der Zeit.

00:15:30: Dann lege ich ihn zurück zwischen die Seiten.

00:15:34: Als würde ich sagen, bleib da!

00:15:39: Und für einen Moment höre ich wieder das Klacken der Buchstaben auf dem Tisch – ein Abend, der längst vorbei ist und trotzdem auf einmal da.

00:15:53: Ich stehe nicht auf, ich gehe nicht in irgendeine Garage, ich sitze einfach nur

00:15:59: da.".

00:16:00: Mit diesem einen Satz in der Hand.

00:16:07: Und wenn dir beim Hören jemand eingefallen ist, Der so einen Satze auch in der hand hatte Dann schick ihm gerne diese Folge Wenn du ein Stück mit mir weitergehen möchtest.

00:16:25: Ich höre dich Nachtfrequenzen Audioeditionen für Tag und Nacht.

00:16:33: Den Link findest du in Inscho Notes.

00:16:37: Ich höre dich!

00:16:43: Bis dahin, bleib bei dir – deine Gloria.

00:16:51: Dieser Podcast wird produziert im Gräwe-Studio Berlin.

00:16:57: Aufnahmeleitung Volker Gräve Assistenz Lea Kretschmar und Taha Issa.

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