Die Abrechnung
Shownotes
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Manchmal bleibt mehr zwischen uns, als Worte sagen können – ein Satz, ein Blick, ein Moment, der nicht vergeht. In dieser Folge spreche ich darüber, wie kleine Verletzungen und offene Rechnungen unser Miteinander formen und wie schwer es oft ist, das Unsichtbare auszusprechen. Ich lade dich ein, mit mir hinzuschauen: Was bleibt zurück, wenn wir schweigen? Wann lohnt es sich, zu sprechen – und was passiert, wenn wir loslassen? Lass uns gemeinsam entdecken, wie Verzeihen und ein neuer Anfang manchmal viel leiser beginnen, als wir denken.
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Transkript anzeigen
00:00:00: Der Zucker steht zwischen euch, jemand zieht den Löffel durch den Café draußen fährt ein Wagen vorbei.
00:00:10: Ihr sprecht über einen Termin im nächsten Monat und mücken in einem ganz gewöhnlichen Satz ist wieder da was damals offen blieb.
00:00:23: Einer von euch hat weiter geredet der andere ist innerlich genau Dort stehen geblieben.
00:00:40: Hallihallo, willkommen bei dir!
00:00:47: Willkommen bei.
00:00:48: Ich höre dich mit Gloria Esther Kaulbarsch.
00:00:55: Du musst nichts tun nur hören und vielleicht ein wenig fühlen.
00:01:05: Hier darfst du ankommen.
00:01:10: ich höre Dich der Podcast, der dich zurück zu dir führt.
00:01:16: Willkommen bei Ich höre Dich mit Gloria Esther Kaulbarsch und ich freue mich dass du da bist!
00:01:27: Viele Abrechnungen beginnen an einem ganz gewöhnlichen Tisch.
00:01:33: Der Kaffee ist da die Tasse.
00:01:35: auch jemand fragt ob Du noch Zucker willst.
00:01:39: Jemand erzählt von einer Baustelle in der Stadt, von einem Arzttermin, von irgendetwas aus dem Alltag.
00:01:50: Und unter diesen Sätzen liegt etwas Altes – ein Rest!
00:01:57: Ein Blick, einen Satz von damals, ein Abend, der nach außen längst vorbei ist und innerlich nie ganz aufgehört hat….
00:02:10: So etwas bleibt selten in Bildern zurück, es bleibt in der Stimme im Zögern vor einer Antwort.
00:02:23: In dieser feinen Spannung die sofort wieder da ist sobald ihr euch gegenüber sitzt.
00:02:32: Von außen sieht das oft aus wie ein ganz normales Gespräch Von innen weißt du sehr genau an welcher Stelle du nicht weitergekommen bist.
00:02:47: Vielleicht war es wirklich nur ein Satz, einer der schnell gesagt war – vielleicht gar nicht böse gemeint im Ärger!
00:02:57: Vielleicht aus Müdigkeit?
00:02:59: Vielleicht genau in diesem Ton, der alles kleiner macht was gerade Gewicht hatte?
00:03:08: Der andere hatte es vergessen oder zumindest so abgelegt wie Menschen Dinge ablegen, die sie selbst nicht getroffen haben.
00:03:20: Du nicht!
00:03:22: Du hast weitergemacht.
00:03:23: – natürlich man macht weiter.
00:03:26: Man fährt nach Hause, man räumt die Küche auf, man beantwortet Nachrichten, kauft Einged Arbeiten….
00:03:34: Man taucht wieder auf beim nächsten Geburtstag, beim nächsten Sonntag beim Nächsten Kaffee.
00:03:44: Und trotzdem trägt man so etwas mit, Nicht ständig nicht wie eine Überschrift über dem ganzen Leben Eher wie einen kleinen Stein in der Jackentasche.
00:04:01: Man fast nicht dauernd hinein.
00:04:05: Man weiß dass er da ist.
00:04:10: Vielleicht ist das das anstrengendste An solchen offenen Rechnungen dass sie selten aus Katastrophen entstehen.
00:04:21: Die großen Dinge haben meist klare Namen, Verrat, Trennung, Lüge, Verlust.
00:04:30: Danach weiß jeder das etwas anders ist.
00:04:48: etwas lächerliches aus dem Ernst gemacht, hat einen Schmerz mit einem Satz abgeputzt der für ihn leicht war und für dich eine Zumutung.
00:05:05: Und dann sitzt man Monate später wieder beieinander hört den Löffel in der Tasse zu und merkt ich bin an dieser Stelle noch lange nicht vorbei.
00:05:22: Man rechnet dabei nicht bewusst.
00:05:25: Niemand sitzt mit einem inneren Block da und macht Striche, so läuft es nicht!
00:05:32: Es läuft tiefer.
00:05:35: Der Körper kennt den Tonfall noch der Blick erkennt die Stelle wieder Die Hand wird stiller um die Tasse etwas in dir wird vorsichtig Obwohl der Raum freundlich aussieht.
00:05:52: Vielleicht ist das die eigentliche Abrechnung, dass etwas, was nie richtig angesehen wurde immer wieder Zinsen bekommt.
00:06:06: Ein bisschen Abstand ein bisschen Fremdheit ein bisschen weniger Vertrauen ein bisschen mehr Müdigkeit noch bevor das Gespräch überhaupt richtig begonnen hat.
00:06:24: Und irgendwann fragt man sich, was schwerer ist.
00:06:29: Das Gespräch oder dieses jahrelange danebenleben mit etwas das nie ausgesprochen wurde.
00:06:40: Dabei wäre es schön wenn das Leben nur zwei Sorten von Schuld kennen würde – die eine, die man nie vergeben kann, die andere, die ein Mal bespricht und dann ordentlich faltet und weglegt!
00:07:01: So ist es ja nicht.
00:07:03: Es gibt Dinge, die zu groß sind – zu tief, zu hart, zu zerstörerisch!
00:07:13: Da geht nichts mehr auf.
00:07:16: Da bleibt eine Grenze.
00:07:19: Da braucht es keinen edlen Schluss und keine moralische Kühe.
00:07:24: Da darf etwas einfach falsch bleiben.
00:07:29: Und es gibt diese andere Zone Die macht das Leben oft so kompliziert.
00:07:37: Ein Mensch den du eigentlich gern hast, eine Beziehung die nicht kaputt ist – ein Satz der trotzdem sitzt!
00:07:49: Ein Abend er vorbeiging ohne dass das Wesentliche gesagt wurde… Da wäre sprechen möglich.
00:08:00: Da wäre verzeihen vielleicht auch möglich.
00:08:05: Nicht sofort Nicht auf Bestellung.
00:08:09: Nicht weil einer findet, jetzt müsse aber mal wieder alles gut sein, sondern weil man irgendwann spürt das unter dem Schweigen mehr leidet als unter der Wahrheit.
00:08:27: Vielleicht ist das der Moment an dem eine Abrechnung sich verändert?
00:08:35: Nicht wenn einer sagt, schwamm drüber!
00:08:40: Nicht wenn plötzlich alle vernünftig wirken, sondern wenn endlich einer den Mut hat, den alten Satz noch einmal in die Hand zu nehmen.
00:08:53: Gar nicht um zu gewinnen und auch nicht um Recht zu behalten – nicht um die Vergangenheit noch einmal schön auszuleuchten, sondern um zu sagen, da ist etwas liegen geblieben!
00:09:11: Und ich will nicht, dass es für immer zwischen uns bleibt.
00:09:17: Das ist kein kleiner Satz!
00:09:20: Er verlangt viel.
00:09:23: Mehr als Höflichkeit je verlangen wird.
00:09:28: Denn sobald so ein Satz im Raum ist muss auch der andere etwas tun – hinhören, aushalten, vielleicht zugeben, vielleicht erschrecken… Vielleicht zum ersten Mal verstehen, dass das was für ihn längst vorbei war im anderen noch eine eigene Zeitrechnung hatte.
00:10:00: Nicht jedes Gespräch kann das!
00:10:05: Manche Menschen wollen so etwas gar nicht hören – sie sagen dann «das sei doch ewig her» oder Sie werden sofort groß in der Verteidigung oder sie machen aus deinem Satz ihren Schmerz und dann sitzt man wieder da und merkt, heute geht es noch nicht.
00:10:35: Auch das gehört zur Wahrheit!
00:10:39: Nicht jede Rechnung lässt sich begleichen.
00:10:44: Nicht jede Nähe lässt sich ratten.
00:10:49: Nicht jeder Entschuldigung kommt rechtzeitig Und trotzdem lohnt sich das Sprechen oft dort, wo noch etwas da ist.
00:11:00: Das Leben will eine Freundschaft!
00:11:08: Eine Schwester ein Bruder Ein Mensch mit dem man schon zu viel geteilt hat um an einem Satz von damals hängen zu bleiben wenn es auch anders gehen könnte.
00:11:28: Vielleicht ist Verzeihen in solchen Fällen auch viel weniger feierlich als man denkt.
00:11:38: Vielleicht isst da, vielleicht ist es gar kein großes inneres Licht, kein bedeutsamer Moment mit Musik, kein stolzer Satz über Reife!
00:11:53: Vielleicht ist es einfach der Augenblick, indem du merkst, eher das war falsch... Ja, das hat mich getroffen.
00:12:05: Ja ich vergesse es nicht und trotzdem will ich nicht dass es zwischen uns das Letzte bleibt.
00:12:18: Darin liegt Klugheit Und manchmal Zuneigung Dass man einer Beziehung noch einmal die Chance gibt aufeinander zu stehen weil beide wissen woran sie bisher schiefen.
00:12:47: Es gibt ja diesen seltsamen Satz.
00:12:51: Man solle nicht alles aufrechnen!
00:12:55: Als wäre das eine schlechte Angewohnheit, die man sich einfach abgewöhnen müsste.
00:13:03: Dabei rechnen Menschen ständig aus Erinnerung.
00:13:08: Wer war da?
00:13:10: Wer hat geschwiegen?
00:13:11: Wer had
00:13:12: gefragt?!
00:13:13: Wer hat sich gemeldet?
00:13:15: Hat sich
00:13:16: gedrückt!?
00:13:17: Wer ist einmal zu schnell über etwas hinweggegangen, das für den anderen Gewicht hatte?
00:13:25: Das geschieht oft gar nicht mit Absicht.
00:13:29: Es geschieht weil das Herz ein genaues Gedächtnis hat und weil man dort wo man sich wirklich gemeint hat auch merkt wenn etwas fehlt!
00:13:44: Und sehr oft liegt die Rechnung auch gar nicht nur beim Anderen.
00:13:50: Das macht es noch stiller.
00:13:54: Man denkt an einen Satz, den man selbst gesagt hat und sofort wieder zurückholen wollte – an einem Abend, an dem man zu stolz war!
00:14:07: An eine Nachricht die man nicht beantwortet hatte, obwohl man genau wusste, dass sie wichtig war.
00:14:17: An die Entscheidung, die ausblieb, weil man dachte morgen… Ginge auch noch.
00:14:27: Und irgendwann merkt man, dass man mit sich selbst genauso streng buch führen kann wie mit anderen – vielleicht sogar strenger?
00:14:40: Auch darin steckt eine Abrechnung!
00:14:45: Eine mit der eigenen Feigheit, mit dem falschen Ton und dem verpassten Satz, besser gekonnt.
00:15:01: Spätestens dort wird es stiller, weil es nicht nur darum geht wer wem etwas schuldig geblieben ist sondern auch darum wie lange man sich selbst an einer Stelle festhalten will, an der man es nicht gut gemacht hat.
00:15:23: Es gibt Fehler aus denen nichts mehr zurückkommt Auch das ist wahr.
00:15:29: und es gibt diese andere Sorte, da könnte noch etwas gesagt werden.
00:15:36: Noch etwas richtig gestellt?
00:15:39: Noch etwas in die Hand genommen das lange Liegen blieb?
00:15:47: Vielleicht ist der neue Anfang manchmal kleiner als man denkt.
00:15:52: Gar kein großes Gespräch bis tief in die Nacht!
00:15:56: Kein Taschentuchmoment, kein Filmende vielleicht nur... Ein Anruf oder eine Nachricht, die endlich nicht mehr geschniegelt klingt.
00:16:13: Oder ein Satz am Ende eines Cafés kurz bevor einer von beiden aufsteht.
00:16:21: Ich glaube da ist etwas zwischen uns Hängen geblieben und ich möchte nichts zu tun als wäre das Nichts!
00:16:32: Mehr braucht es manchmal gar nicht damit etwas wieder Luft bekommt.
00:16:41: Das kommt vor, oft genug dass es schade wäre diesen Weg nie zu versuchen.
00:16:52: und genau darin liegt die Schwierigkeit an der Abrechnung das sie zwei Wahrheiten zugleich in der Hand hält.
00:17:04: Die eine sagt Es gibt Dinge die bleiben offen Und das ist kein Versagen.
00:17:12: Die andere sagt, es gibt Dinge die könnte man noch berühren wenn einer anfängt.
00:17:20: Beides verlangt einen klaren Blick für das was nicht mehr heil wird Für das was vielleicht noch einmal eine Form finden kann.
00:17:49: Am Ende kommt es darauf an diese Rechnungen nicht zu verwechseln Dass man nicht alles vergeben muss dass man nicht überall Größe beweisen muss, das man auch nicht jeden alten Schmerz täglich neu polieren muss nur weil er einmal berechtigt war.
00:18:12: Manche Dinge müssen benannt werden – manche beendet, betrauert, manche verziehen, manchen nur still aus der Hand
00:18:27: gelegt.".
00:18:30: Ja, und manchmal ist ein neuer Anfang nichts weiter als dieser eine Schritt.
00:18:38: Dass man aufhört innerlich jede Woche denselben Posten aufzurufen – nicht weil er nie passiert wäre sondern weil man selbst weiterleben möchte mit mehr Platz im Kopf, mit klarer Luft im Herzen!
00:18:58: mit einem Leben, das nicht dauernd von dem verwaltet wird was einmal offen geblieben ist.
00:19:07: Vielleicht bleibt von der Abrechnung am Ende kein saldierter Betrag vielleicht bleibt nur die Frage mit der man vorsichtiger und wahrer lebt Was davon muss ich wirklich noch festhalten?
00:19:25: Und was darf gehen damit wieder etwas anfangen kann.
00:19:35: Wenn du bleiben willst, dann abonnier gerne den Podcast!
00:19:41: Die Nachtfrequenzen findest Du in den Show-Notes – vier Editionen für verschiedene unruhige Stunden.
00:19:52: Gerne möchte ich Euch das neue Format Ein Café mit Gloria ans Herz legen.
00:20:00: Wir treffen uns einmal im Monat wie an meinem Küchentisch.
00:20:05: Das wird eine kurze Zusatzfolge, ein Nachklang oder ein paar Gedanken sein die nach dem Schreiben geblieben sind.
00:20:39: Deine Gloria.
00:20:42: Dieser Podcast wird produziert im Gräwe-Studio Berlin.
00:20:54: Aufnahmeleitung Volker Gräve Assistenz Lea Kretschmar und Taha Issa.
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