Die Dunkelgräfin

Shownotes

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Es gibt Leben, die im Dunkeln geführt werden – und Geschichten, die aus Schweigen geboren sind. In dieser Folge tauche ich ein in das faszinierende Rätsel der Dunkelgräfin, einer Frau, die durch ihr Schweigen und ihre Zurückgezogenheit zur Projektionsfläche für Gerüchte und Legenden wurde. Ich erzähle, wie aus Lücken in ihrer Biografie Mythen entstanden – und was das mit uns allen zu tun hat. Was bleibt von einem Menschen, wenn andere seine Geschichte übernehmen? Lass uns gemeinsam spüren, wie schnell ein echtes Leben hinter fremden Worten verschwindet – und warum das Nachdenken darüber so aktuell ist wie nie. Wenn dir diese Folge neue Impulse gibt, klicke oben auf das "+" oder "Folgen". So verpasst du keine der Geschichten. Ich höre dich (Podcast) https://www.praxis-kaulbarsch.de/podcast/ Meine Audio-Editionen Nachtfrequenzen findest du unter: http://www.praxis-Kaulbarsch.de/nachtfrequenzen/ Wenn du "Ich höre dich" unterstützen willst: Steady https://steady.page/ich-hoere-dich-mit-gloria-esther-kaulbarsch Kontakt: podcast@praxis-kaulbarsch.de Instagram: @gloria.esther.kaulbarsch Gloria Esther Kaulbarsch https://www.praxis-kaulbarsch.de Impressum: https://www.praxis-kaulbarsch.de/impressum Greve-Studio Berlin https://www.greve-studio.de

Transkript anzeigen

00:00:00: Es gibt Leben, die nicht im Dunkeln beginnen und trotzdem im Dunkel geführt werden.

00:00:10: Anfang des neunzehnten Jahrhunderts liebte Thüring eine Frau so vor Borgem das am Ende fast alles an ihr zur Vermutung wird – Ihr Name, ihr Gesicht, ihre Geschichte… Die dunkelgräfen!

00:00:35: Und hier beginnt das Rätsel bei einer Frau, die nicht sprechen durfte oder nicht sprechen wollte.

00:00:44: Während alle anderen längst über sie sprachen.

00:01:16: Nur hören und vielleicht ein wenig fühlen.

00:01:23: Hier darfst du ankommen!

00:01:29: Ich höre dich, der Podcast, der dich zurück zu dir führt.

00:01:36: Willkommen bei.

00:01:37: ich höre Dich mit Gloria Esther Kaulbarsch Und ich freue mich wieder so sehr dass Du da bist.

00:01:49: Man sieht sie nie einfach so.

00:01:53: nie als Frau auf einem Weg, nie im Gespräch vor einer Tür, nie in einem jener kleinen zufälligen Momente aus denen sonst ein Gesicht im Gedächtnis hängen bleibt.

00:02:11: Was man sieht ist etwas anderes – Ein Wagen, ein Begleiter, ein Haus, in dem sie verschwindet!

00:02:25: Ein Schleier, der niemals abgelegt wird.

00:02:30: Mehr braucht es nicht!

00:02:33: Denn in dem Augenblick, in dem ein Mensch sich den Blick entzieht, beginnen andere ihn zu ergänzen.

00:02:46: Erst fehlt nur ein Name, dann eine Herkunft, dann die ganze Geschichte und jedes Mal wenn etwas fehlt tritt jemand vor und füllt die Lücke.

00:03:05: Mit einem Verdacht, mit einer Erinnerung – einem Satz der besser klingt als ein stilles Leben hinter geschlossenen Türen!

00:03:21: So entsteht nach und nach diese Frau, die alle zu kennen meinen und die doch niemand kennt….

00:03:33: Dort beginnt das Unheimliche dieser Geschichte, dass aus einem Menschen mit der Zeit etwas wird – das Anderen gehört.

00:03:48: Sie sehen den Wagen, sie sehen den Begleiter, sehen da jemand verborgen wird und ab diesem Moment gehört ihr Leben nicht mehr ihr allein!

00:04:04: sondern auch der Fantasie der anderen.

00:04:09: Jemand denkt an Adel, an Flucht, jemand denkt an Schande – an eine Strafe!

00:04:19: An eine Geschichte die so groß ist dass sie endlich erklären würde warum diese Frau der Welt entzogen wird.

00:04:30: Denn das ist ja schwer auszuhalten Dass ein Mensch einfach da ist und sich trotzdem nicht lesen lässt.

00:04:42: Man kennt das bis heute, es reicht oft schon dass jemand wenig sagt, dass sich jemand zurückzieht, dass jemand nicht mitliefert was andere gern über ihn wissen möchten.

00:04:59: dann beginnt das Deuten aus einem Schweigen wird ein Charakterzug Aus einer Vorsicht ein Geheimnis, aus einem Abstand eine ganze Biografie.

00:05:17: und je weniger diese Frau von sich preisgibt, desto freier werden die anderen in dem was sie aus ihr machen.

00:05:29: Das ist die eigentliche Tragik nicht nur das sie vor Borgem lebt sondern das mit jedem Jahr mehr über sie erzählt wird und zugleich weniger von ihr selbst übrig bleibt.

00:05:49: Denn was bleibt am Ende von einem Menschen, wenn fast nur noch fremde Sätze um ihn kreisen?

00:05:57: Ein Gesicht, dass keiner kennt – ein Name der nicht trägt!

00:06:04: Ein Leben, das unter Beobachtung steht nie wirklich als Leben gesehen wird.

00:06:16: Man schaut auf sie und sieht doch vor allem das, was man selbst in sie hineinlegt!

00:06:25: Die einen wünschen sich ein Unglück, die anderen eine Herkunft, die höher ist als die eigene Straße, wieder andere einen Sturz, Borgene Vergangenheit.

00:06:46: Kaum jemand hält es aus, dass die Antwort kleiner, stiller und trauriger sein könnte?

00:06:56: Dass da einfach eine Frau lebt, deren Dasein so abgeschirmt ist, das es mit der Zeit mehr Stoff für andere wird als Heimat für sie selbst – genau an!

00:07:15: Dieser Stelle beginnt das, was die Dunkelkräfen bis heute so gegenwärtig macht.

00:07:23: Denn die Frage ist am Ende nicht nur wer sie war!

00:07:29: Die Frage ist auch wie schnell ein Mensch verschwindet, sobald andere anfangen sein Leben für ihn zu erzählen.

00:07:41: Jahrzehnte vergehen dann noch mehr.

00:07:50: Die große Vermutung, sie sei die Tochter Marie-Antoinette hält sich lange.

00:07:58: Weil Sie der Geschichte glanzgibt!

00:08:02: Sie macht aus einer verborgenen Frau plötzlich Weltgeschichte.

00:08:11: Später wird das Grab geöffnet Es wird geprüft, verglichen, ausgeschlossen.

00:08:21: Eine Große Behauptung verliert ihren Boden, und doch bleibt die Frau selbst weiterhin dann im Halbdunkel.

00:08:36: Das ist fast das Bitterste daran!

00:08:41: Man kann einen Irrtum beenden – man kann ein Gerücht kleiner machen, man kann eine Legende einen Teil ihres Glanzes nehmen Und trotzdem steht am Ende kein klares Gesicht vor einem.

00:08:59: Der Glanz fällt weg, der Mensch tritt trotzdem nicht hervor – und daran liegt die stille Größe dieser Figur gar nicht in dem was man ihr andichten wollte, bekleidet hat, sondern in dieser merkwürdigen traurigen Wahrheit.

00:09:36: Dass eine Frau gelebt hat über die fast alle etwas sagen wollten und das bis heute so wenig von ihr übrig ist – dass wirklich er gehört!

00:09:52: Kein sicherer Name, kein offenes Gesicht keine Stimme an die man sich halten könnte, nur in die Umresse eines Lebens und sehr viele fremde Sätze.

00:10:10: Genau dort hört diese Geschichte nicht auf!

00:10:15: Man muss keine Dunkelgräfen sein damit andere sich aus wenigen Blicken, aus Schweigen, aus Zurückhaltung ein ganzes Bild

00:10:27: machen.".

00:10:29: Es reicht oft schon, dass man sich nicht erklärt.

00:10:33: Dass man sich schützt!

00:10:36: Dass man etwas für sich behält.

00:10:39: Sobald eine Lücke da ist fängt jemand an sie zu füllen mit Deutung, Mit Urteil und einer Fassung die ordentlicher wirkt als der wirkliche Mensch.

00:10:58: Wie schnell andere ein Leben in Form bringen wollen, das ihnen nicht gehört.

00:11:06: Aus Abstand wird ein Urteil aus Schweigen ein Charakter, aus einem Menschen eine Figur.

00:11:16: Verloren geht dabei genau das was am schwersten zurückzuholen ist – der wirkliche Mensch!

00:11:27: Das ist das Traurigste an den Dunkelgräfen Und das ist es auch, was ihre Geschichte so lange festhält.

00:11:39: Dass sie bis heute fast nur aus Vermutungen besteht und man trotzdem spürt, dass da einmal ein wirklicher Mensch war – eine Frau die morgens aufstand, die krank wurde, die müde war, die manchmal am Fenster stand Die Nachts wach lag, die an Tagen an denen draußen alle anderen ihr Leben führten immer weiter in einem Daseinblieb das schon zu ihren Lebzeiten mehr Rätsel als Alltag war.

00:12:24: Ihr Grab kann man heute besuchen – ihr Leben bleibt trotzdem unscharf.

00:12:33: Am Ende bleibt genau das!

00:12:36: Kein großer Satz und leider auch keine endgültige Auflösung.

00:12:43: Nur diese leise unbequeme Frage, was bleibt von einem Menschen wenn andere ihn nie wirklich sehen?

00:12:55: Und trotzdem nicht aufhören über ihn zu sprechen!

00:13:05: Und wenn dir ich höre, dich gefällt, freue ich mich über eine gute Bewertung.

00:13:18: Gerne möchte ich euch das neue Format Ein Café mit Gloria ans Herz legen!

00:13:26: Wir treffen uns einmal im Monat wie an meinem Küchentisch.

00:13:31: Das wird eine kurze Zusatzfolge ein Nachklang oder ein paar Gedanken sein die nach dem Schreiben geblieben sind.

00:13:41: Du findest das neue Format im Unterstützer-Abo bei Apple Podcasts.

00:13:48: Wenn du ich höre dich auf diesem Weg mittragen möchtest, freue Ich mich riesig!

00:14:22: Volker Gräwe, Assistenz Lea Kretschmar und Taha Issa.

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